Schwester und Bruder arbeiten gemeinsam am Tisch an Hausaufgaben

Zusammenhang zwischen Feinmotorik und unleserlicher Schrift

Wenn die Kinder die ersten Schriftstücke aus der Schule mit nach Hause bringen, sind die Eltern mächtig stolz – und das zu Recht! Was ist jedoch, wenn Du das Geschriebene Deines Kindes kaum entziffern kannst? Es gibt verschiedene Gründe dafür, weshalb Kinder oder auch Erwachsene unleserlich schreiben.

Ein Grund für die Produktion von unleserlicher Schrift ist es, dass das Kind auf der Ebene der Feinmotorik nicht oder noch nicht vollständig in der Lage ist, mit dem Stift die feinen Bewegungen durchzuführen, die die Voraussetzung für eine saubere Schrift sind.

Da die Kinder vor der Schulzeit noch nie so feinmotorisch tätig werden mussten, zeigt sich oft erst beim Schreiben lernen, dass es in diesem Bereich eine Auffälligkeit gibt. Bei Kindern ist es hilfreich, wenn das Problem früh erkannt wird.

Denn so kann man rechtzeitig gemeinsam mit den Lehrkräften und eventuell noch zusätzlichen Fachleuten, wie den Förderlehrkräften der Schule, den Grund für die unleserliche Schrift suchen. Durch die frühzeitige Erkenntnis kann Deinem Kind dann durch gezielte Fördermaßnahmen geholfen werden.

Schreiben – ein komplexer Lernprozess

Um Schreiben zu lernen, müssen die Kinder eine ganze Menge an Voraussetzungen erfüllen. Es ist zum einen natürlich notwendig, dass die Kinder kognitiv in der Lage dazu sind, Schriftzeichen zu erlernen. Hierbei müssen sie eine hohe Konzentration aufbringen. Doch zusätzlich zu der kognitiven Kompetenz kommen noch etliche weitere hinzu. Einige hiervon sind:

  • Muskelkraft, um den Rumpf stabil zu halten
  • das Halten eines Stiftes
  • Beweglichkeit und sensible Wahrnehmung in den Fingern und Fingerspitzen
  • Kontrolle der Muskelanspannung und -entspannung in den Fingern und Armen
  • die Koordination von Augen und Hand
  • die Fähigkeit richtig zu Hören und zu Sehen

Wie Du sehen kannst, sind für das Schreiben neben der Fähigkeit zur Konzentration einige körperliche und motorische Kompetenzen erforderlich. Es gibt also eine Vielzahl an Möglichkeiten, weshalb der Schreibprozess noch nicht so richtig funktionieren will.

Im natürlichen Ablauf des Schreibenlernens beginnt das Kind im vorschulischen Alter mit Kritzeleien. Du kannst leicht herausfinden, ob Dein Kind schon mal gekritzelt hat. Diese vorschriftlichen Kritzeleien ähneln vom Aufbau her der „echten“ Schrift.

Sie werden von den Kindern meist der elterlichen Schrift nachgeahmt. Somit ist es möglich, dass man schon eine Kritzelei sieht, die von links nach rechts und von oben nach unten „geschrieben“ ist. Man erkennt hier erste motorische Versuche, den Stift zu halten und den Willen, etwas schriftliches zu produzieren. Das Kind hat verstanden, dass mit der Schrift die Sprache auf eine andere Art ausgedrückt wird.

Nach dieser vorschriftlichen Kritzelphase kommt die sogenannte logographische Phase. Hier lernen die Kinder schon einige Buchstaben kennen. Sie schreiben beispielsweise ihren Namen oder MAMA und PAPA. Sie wissen vielleicht noch nicht so genau, welcher Buchstabe zu welchem Laut zugeordnet werden kann, aber sie machen motorisch große Fortschritte, indem sie die Buchstaben immer wieder korrekt produzieren.

Ein weit verbreitetes Phänomen ist hierbei die Spiegelschrift. Ganz natürlich und bei fast allen Kindern zu beobachten ist es, dass sie Buchstaben und Zahlen immer wieder spiegelverkehrt schreiben. Hier besteht normalerweise kein Grund zur Sorge. Dies scheint zum natürlichen Lernprozess zu gehören und verschwindet im Normalfall nach einiger Zeit von ganz alleine.

Von der logographischen Phase geht der Schrifterwerb fließend über in die alphabetische Phase. Hier können die Kinder Laute und Buchstaben mehr oder weniger sicher zuordnen. Sie können schon viele Buchstaben schreiben. Diese Phase findet meist in der Schulzeit statt.

Hier werden die Buchstaben beigebracht und eingeübt. Die Kindern lernen durch Anlauttabellen und andere didaktische Mittel die Laute mit den Buchstaben zu verbinden und richtig einzusetzen. Schreiben und Lesen geschieht hierbei im natürlichen Lernprozess parallel und findet somit gleichzeitig statt. Die Kinder lernen also, Buchstaben zu erkennen und auch selbst zu produzieren.

Hierbei liegt der Fokus auf die korrekte Zuordnung von Lauten und Buchstaben, bzw. Buchstabenkombinationen. In dieser Phase müssen die Kinder motorisch schon sehr viel leisten. Sie müssen die unterschiedlichen Buchstaben mit ihren feinen Unterschieden immer wieder korrekt produzieren. Die Stifthaltung und feinmotorische Bewegungen sind hier besonders gefragt.

Wenn ein Kind mit den motorischen Voraussetzungen Schwierigkeiten hat, wird es hierfür so viel Konzentration aufbringen müssen, dass es kaum möglich ist, sich noch auf die richtige Produktion von Buchstaben zu konzentrieren.

Bei auftretenden Auffälligkeiten im Schriftbild, sind hier also sofortige Hilfemaßnahmen notwendig. So wird die Grundlage geschaffen, dem Kind im Laufe seiner Schullaufbahn die Fähigkeit beizubringen, eine korrekte Rechtschreibung zu erlangen.

Von der alphabetischen Phase geht es wieder fließend über in die orthographische Phase. Hier geht es um das Erlernen von Regeln im Schrift-Sprach-System und der korrekten Rechtschreibung. Das heißt, es werden zum Beispiel grammatikalische Regeln erlernt.

Außerdem lernen die Kinder, wann genau sie beispielsweise einen Doppelkonsonanten schreiben müssen (z.B. MuTTer) oder wenn sie statt nur einem „i“ ein „ie“ schreiben müssen (z.B. SIEb). Wenn diese Phase erreicht ist, können die Kinder flüssig lesen und schreiben lernen. Auf dieser Grundlage lernen sie im weiteren Schulverlauf immer mehr grammatikalische Regeln. Das Erlernen einer korrekten Rechtschreibung ist hier somit oberste Priorität.

Lehrerin hilft ihrem Schüler bei einer Aufgabe

Schrift als Voraussetzung für alle Fächer

Wenn das Kind nicht richtig schreiben kann, weil es motorisch nicht in der Lage dazu ist, wirkt sich das in allen Unterrichtsfächern aus. In Mathematik werden Zahlen geschrieben und gelesen. Es geht anfangs um kurze, kleine Aufgaben.

Doch schon hierbei unterscheiden sich die Zeichen in Mathematik nur in kleinen Details voneinander. Wenn man an das Plus- und Minus-Zeichen, sowie größer als und kleiner als denkt, dann merkt man schnell, wie wichtig die Details in der Mathematik sind.

Um diese kleinen Unterschiede beim Schreiben zu verdeutlichen, muss das Kind hohe Kompetenzen im feinmotorischen Bereich aufweisen. Das bedeutet, wenn Dein Kind Auffälligkeiten in der Feinmotorik zeigt, was Du am Schriftbild gut erkennen kannst, können sich auch Probleme in Mathematik oder anderen Fächern erklären.

Wichtig ist hierbei wieder, dass Du die unleserliche Schrift erkennst und mit den Lehrern hierüber offen kommunizierst. Es gibt Förderaufgaben und Trainingsmöglichkeiten, wie die Feinmotorik erlernt werden kann. Je früher das Problem angegangen wird, desto besser ist dies für Dein Kind.

Fazit

Für den Schrifterwerb sind motorische Fähigkeiten notwendig. Wenn Dir oder einer Lehrkraft auffällt, dass die Schrift Deines Kindes unleserlich ist, sollte dieses Problem sofort angegangen werden. Für das Erlangen von feinmotorischen Kompetenzen gibt es viele Fördermöglichkeiten.

Hat Dein Kind auch noch in anderen Fächern als in Deutsch und Rechtschreibung Probleme, kann dies ebenso an den Schwierigkeiten im motorischen Bereich liegen. Insbesondere Mathe ist ein Fach, in dem das Schriftbild eine große Rolle spielt.

Besprich das Problem am besten mit allen Lehrkräften Deines Kindes, sodass auch in anderen Fächern die richtige Unterstützung gewährleistet wird. Wenn frühzeitig eine Förderung stattfindet, steht dem Schrifterwerb und dem Erlangen eines sauberen und leserlichen Schriftbilds nichts mehr im Weg!

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